Susan Boyle
von Markus, am 17. April 2009 um 19:57 UhrEs gibt eine weibliche Antwort auf Paul Potts. Großartig.
Es gibt eine weibliche Antwort auf Paul Potts. Großartig.
Weil ihre Mutter mit dem neuen Lebensgefährten durchs Land reist, zieht Bella Swan (Kristen Stewart) zu ihrem Vater Charlie (Billy Burke) in das kleine Städtchen Forks. In der neuen Schule ist sie sofort der Star, alle Mädchen wollen mit ihr befreundet sein und alle Jungs wollen sie zum Schulball ausführen. Dort trifft sie auch die Cullens, Adoptivkinder von Dr. Carlisle Cullen (Peter Facinelli), die aber nichts von ihr wissen wollen und sich auch sonst eher abseits halten. Bei einem Unfall rettet der blasse Edward Cullen (Robert Pattinson) – dank übernatürlicher Stärke – Bella das Leben. Diese findet heraus, dass die Cullens in Wahrheit vegetarische Vampire sind und sich von Tierblut ernähren, ganz im Gegensatz zu bösen Vampiren wie James (Cam Gigandet), der schon die Verfolgung von Bella aufgenommen hat…
Der Film thematisiert das Ausblenden von Problembereichen durch konsequente Ignoranz, die der Film durch das Stilmittel der Inkonsequenz ausdrückt. Zwar sind die Blutsauger gesegnet mit ewiger Jugend, Unsterblichkeit, geschärften Sinnen und übermenschlicher Stärke – aber im Gegensatz zum traditionellen Modell fehlen ihnen die negativen Eigenschaften. So schlafen sie z.B. nicht in Särgen, sondern wohnen in einem Luxus-Anwesen – und bei praller Sonne zerfallen sie nicht zu staub, sondern glitzern wie Diamanten. Auch scheinbar negative Eigenschaften wie ein starkes (aber unterdrückbares) Verlangen nach Blut werden durch Zusatzfähigkeiten wie den “Blick in die Zukunft” abgemildert. Schließlich ist der Film auch bei der Unsterblichkeit nicht konsequent – denn so unsterblich sind Vampire nicht, wie ihre Gegner feststellen müssen. Damit deutet der Film die irrationalen und überzogenen Wunschvorstellungen realitätsferner Menschen an – bietet aber anstelle einer “alles wird gut, man muss nur lange genug die Augen verschließen”-Idee keine Lösungsansätze für dieses Problem.
Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen ist entrücktes Vampirkino für Prinzessinnen, das ohne Ecken und Kanten auskommen muss – damit sich niemand daran verletzt – und das keine intelligent-kritische Handlung besitzt, um das wohlige Hochgefühl der minderjährigen Zielgruppe nicht zu gefährden. Weil es aber gerade Schwächen sind, die einen Menschen liebenswert machen, fühlt sich der Zuschauer durch diese einseitige Betrachtungsweise zurecht auf den Arm genommen. Die knappe Handlung ist überschaubar und passend dazu sind die Vampire übertrieben blass geschminkt – die Akteure beschränken sich auf die Darstellung ohnmächtiger Apathie. Einziges Highlight und emotionaler Höhepunkt des Films ist eine Szene, in der Bella ihren Vater verlassen muss, um ihn vor angreifenden Vampiren zu schützen. Der Zuschauer ist bewegt, wenn der Vater überraschend durchdachte Vorschläge macht, um seine Tochter nicht zu verlieren. Doch auch dieser Moment kann den ansonsten gruseligen Film nicht retten. Weitere Informationen sind auf der offiziellen Homepage des Films zu finden.
Postchef Zumwinkel wird wegen Steuerhinterziehung verhaftet, eine Raumsonde landet auf dem Mars und untersucht Gesteinsproben und die Iren lehnen den EU-Reformvertrag ab. Der ehemalige Serbenführer Karadzic wird u.a. wegen des Massakers von Srebrenica vor das UN-Kriegsverbrechertribunal gestellt. Christopher Nolans Film The Dark Knight ist Kinohighlight des Jahres und gleichzeitig Ende des Drehbuchautorenstreiks, doch mit Heath Ledger nimmt sich der unbestrittene Star dieses Films das Leben. Medwedjew wird russischer Präsident und in Hessen scheitert die SPD trotz ihres Wahlerfolgs an der Regierungsbildung. Das Verfassungsgericht schafft ein neues Computer-Grundrecht, das die Integrität und Vertraulichkeit informationstechnischer Systeme schützen soll. In einem Amstettener Keller hält ein Irrer seine Tochter 24 Jahre als “verfügbare Sklavin” gefangen und bei Oldenburg wirft ein anderer einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke und tötet damit eine junge Mutter. Nach Beck kommt Müntefering als SPD-Vorsitzender zurück. Im Kanton Genf nimmt die CERN den größten Teilchenbeschleuniger der Welt zu Forschungszwecken in Kraft, die Deutschen hingegen starten den Gesundheitsfonds. Die zunehmende Zahl von Piratenangriffen auf Schiffe vor der Somalischen Küste zwingen die internationale Staatengemeinschaft zu Sicherungsmaßnahmen. Aus der Subprime-Krise entwickelt sich eine globale Finanzkrise, die trotz staatlicher Milliardenhilfen nicht aufzuhalten ist und das Ende großer Banken wie Lehman Brothers bedeutet – “Finanzkrise” wird damit Wort des Jahres. Doch die Menschen haben Hoffnung, denn mit Barack Obama zieht der erste afroamerikanische Präsident der Geschichte ins Weiße Haus ein.
Gestern Abend traten der Liedermacher Rainald Grebe und seine Kapelle der Versöhnung, d.h. der “spießige” Martin Brauer und der “rockige” Marcus Baumgart, in der Oldenburger Cäcilienschule auf. Grebe, der Meister des irren Blicks, bot ein mit Showeinlagen angereichertes Konzert, das er um die Themen “Berlin” und “Provinzialität” kreisen ließ. Mit intelligenten Texten kritisierte er insbesondere den neu entstandenen Typus des “Bionade-Biedermeiers”. Zwischenspiele wie das Bereitstellen eines Rauchertisches, der gewisse Gesetzeslücken auf der Bühne ausnutzen sollte und von der Oldenburger Raucherschaft gerne angenommen wurde, ließen das Publikum zwischen den Musikstücken durchatmen.
Obwohl die schludrigen Klamotten, die banalen Masken und das eintönige Bühnenbild etwas anderes suggerieren sollten, konnte man insbesondere an Kleinigkeiten wie der optimal abgestimmten und hervorragenden Pausenmusik die Professionalität der Künstler erkennen. Leider wurden bekannte Hits wie Brandenburg oder Dörte ausgespart, dennoch bekam das Publikum einen guten Eindruck vom dahinter stehenden, überwältigenden Talent und Ideenreichtum. Höhepunkt des Abends war das Lied Reich mir mal den Rettich rüber, mit dem noch einmal die Kritik am Bionade-Biedermeier verstärkt werden sollte.
Rainald Grebe entwickelt sich mehr und mehr zum Meister der unerwarteten Reime, die seine Musikstücke überraschend vielseitig gestalten. Damit gehört er sowohl inhaltlich als auch künstlerisch zu den größten Talenten unter den deutschen Liedermachern. Teile des Publikums bedankten sich (zu Recht) mit stehenden Ovationen, die Künstler antworteten mit ein paar Zugaben. Damit war der gestrige Abend das kulturelle, intellektuelle und musikalische Highlight Oldenburgs für das Jahr 2008. Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Seite des Künstlers.
Beim Verhör von Mr. White (Jesper Christensen) kommt James Bond (Daniel Craig) der Organisation “Quantum” auf die Spur, die der Umweltaktivist Dominic Greene (Mathieu Amalric) nutzt, um die politischen Verhältnisse in instabilen Ländern zu ändern und Regierungen zu erpressen. Obwohl von M. (Judi Dench) wegen gewaltsamer Zwischenfälle suspendiert, gelangt Bond mit Hilfe seines Freundes Rene Mathis (Giancarlo Giannini) nach Bolivien, um dort die Einsetzung von General Medrano (Joaquín Cosio) aufzuhalten. Das allerdings gestaltet sich als schwierig, da neben den Amerikanern um CIA-Mann Felix Leiter (Jeffrey Wright) auch die britische Regierung beteiligt zu sein scheint. Zudem hat Bondgirl Camille (Olga Kurylenko) eine ganz andere Rechnung mit dem General zu begleichen.
Der Film thematisiert die wachsende Komplexität internationaler Verstrickungen, die im Rahmen einer zunehmenden Globalisierung unvermeidbar sind. Weil jeder Konflikt i.d.R. ganz unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Nationen hat, sollte er nicht nur isoliert, sondern immer im internationalen Zusammenhang betrachtet werden. Hier gibt der Film zu bedenken, dass sich Regierungen auch deshalb an unangenehmen Konflikten beteiligen, um auf diese Weise größeren Einfluss zu gewinnen und dadurch die Richtung gemeinsamer Anstrengungen beeinflussen zu können. Eher indirekt kritisiert der Film einen schleichenden Qualitätsverlust durch zunehmende Kreativitätsmüdigkeit und Kopierbereitschaft der Gesellschaft, indem er sich bei Schlüsselszenen seiner Vorgängerfilme bedient und diese – offensichtlich unüberlegt – in die weitere Handlung einbaut.
Ein Quantum Trost ist actionreiches Agentenkino ohne tiefe Handlung, dem jedoch typische Bond-Elemente wie trockener britischer Humor oder technische Spielereien fehlen. Einer Vielzahl deutlich zu schneller Schnittfolgen wirken hektisch und sorgen für seekranke Zuschauer, anstatt (wie wohl geplant) die filmische Action zu verstärken. Obwohl es deutliche Anlehnungen an frühere Bond-Filme gibt – z.B. wurde ein Opfer komplett mit Öl überzogen – fühlt sich der Zuschauer zurecht auf den Arm genommen, da diese weder der Kauzigkeit oder Gedankenwelt des Gegenspielers entsprechen, noch an logischer Stelle in den Ablauf eingearbeitet sind. Einziges Highlight des Films scheint der Titelsong Another Way To Die von Alicia Keys und Jack White zu sein, der weniger durch künstlerische Größe auffällt, dafür aber den musikalischen Zeitgeist angemessen wiederspiegelt. Weitere Informationen bietet die offizielle Seite zum Film.
Schon früh erzählte Trevor Bruttenholm (John Hurt) dem kleinen Hellboy (Ron Perlman) die Geschichte vom Krieg zwischen Menschen und Elfen, vom Bau der übermächtigen goldenen Armee und von der dreigeteilten Krone. Weil er das Elfenkönigreich vor dem Untergang bewahren will, versucht Prinz Nuada (Luke Goss) die Teile der Krone zu erlangen und so die Macht der goldenen Armee heraufzubeschwören. Können Hellboy und seine Kollegen Liz Sherman (Selma Blair) und Abe Sapien (Doug Jones) den Prinzen aufhalten, wo doch gerade Tom Manning (Jeffrey Tambor), der alte Chef der Spezialeinheit, durch den nebulösen Johann Krauss (James Dodd) ersetzt wurde? Und wie kann Nuala (Anna Walton), die Zwillingsschwester des Prinzen, dabei helfen?
Der Film thematisiert das Wesen des Alltags und nennt verschiedene Strategien, um aus einer sich einschleichenden Monotonie auszubrechen – sei es durch persönliche Weiterentwicklung (Hellboy), aktiven Einfluss auf die Umgebung (Nuada), Veränderung vertrauter Strukturen (Manning), eine weitere Ebene in der Beziehung (Liz/Hellboy), ein völlig neues Umfeld (Krauss) oder eine neue Liebe (Abe/Nuala). Auf einer übergeordneten Ebene bezieht der Film sich selbst ein, da er ebenso eine Möglichkeit ist, dem Alltag zu entfliehen. Darüber hinaus geht er auf das Verhältnis des Einzelnen gegenüber dem Gemeinwesen ein und fragt, wann man an sich und wann man an andere denken sollte. Hier spricht er den Konflikt an, sich entweder für den eigenen Vorteil oder das Gemeinwesen zu entscheiden. Hollywood antwortet mit der Einsicht, dass auch altruistische Entscheidungen persönliche Vorteile mit sich bringen können.
Hellboy – Die goldene Armee ist bildgewaltiges Fantasiekino, das diverse Konflikbereiche andeutet, dafür aber kaum Handlung bietet. Der Zuschauer erlebt handwerklich solide Spezialeffekte, die in ihrer Bildsprache an Pans Labyrinth erinnern – zudem tritt eine Vielzahl neuer Fantasiekreaturen auf. Verglichen mit dem ersten Teil ist die aktuelle Geschichte schwächer – verglichen mit Comicverfilmungen wie X-Men, bei denen die Effektwirkung wesentlich von der Glaubwürdigkeit der Charaktere abhängt, ist die darstellerische Leistung hier eher zu vernachlässigen. Insgesamt erinnert der Film an ein Bilderbuch – er ist schrill und bunt, man kann seine Bilder in ein Museum hängen – doch eine zugehörige Geschichte muss sich der Zuschauer selbst überlegen. Weitere Informationen sind auf der offiziellen Seite zum Film zu finden.
Es ist die Zeit von Vietnamkrieg und aufkeimender Profitgier, in der weder Demonstrationen noch die außerparlamentarische Opposition Wirkung zeigen. Aufgrund der Befürchtung, erneut dem Faschismus zu verfallen, sehen Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) einzig in “Gewalt gegen Sachen” eine wirkungsvolle Möglichkeit für politischen Protest – und legen Brandbomben in deutsche Kaufhäuser. Die Journalistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) fragt nach den Hintergründen der Taten, lässt sich von dieser Idee überzeugen und schließt sich der Gruppe an. Gemeinsam gründen sie die Rote Armee Fraktion und nehmen – entgegen der ursprünglichen Hauptlinie – auch Unbeteiligte als Opfer in Kauf.
Der Film will keine historisch genaue Dokumentation sein, stellt aber dennoch die Frage nach einem gerechtfertigten Mitteleinsatz. Was passiert, wenn sich ein neuer Faschismus andeutet, den man mit traditionellen Mitteln nicht aufhalten kann? Ist dann jedes Mittel recht, um die Bevölkerung aufzurütteln? Und wo ist die Grenze zu ziehen – bei der Zerstörung von Gegenständen oder gar Schicksalen? Oder bereits beim Ausschalten der Vernunft, die sich durch das Aufgeben der eigenen Kinder und lieb gewonnener Gewohnheiten andeutet? Ist es nicht töricht und aussichtslos, kapitale Verbrechen zu begehen, um damit zu versuchen, eine Institution wie den Staat zu erpressen? Hier antwortet der Film mit der Einsicht, dass Terrorismus am Ende keines seiner Ziele erreicht. Darüber hinaus spricht er Mythos und Legendenbildung im Zusammenhang mit der RAF an, welche die Verselbstständigung von Ideen und Ereignissen über verschiedene, voneinander unabhängige Generationen hinweg erst erlaubt haben. Kritisch deutet der Film an, dass der Staat z.B. durch bessere Aufklärungsarbeit stärker dazu hätte beitragen können, einen derart aufkommenden Terrorismus zu vermeiden.
Der Baader Meinhof Komplex ist überraschend inhaltsloses Vorlagenkino, das sich am gleichnamigen Buch von Stefan Aust orientiert, aber weder Handlung noch Unterhaltung bietet. Obwohl der Ablauf im Wesentlichen an historische Begebenheiten angelehnt ist, fehlen deren künstlerische Aufarbeitung sowie eine Nebenhandlung, um die Tragweite der damit verbundenen Tragödie aufzuzeigen. Johanna Wokalek spielt die überdrehte Überzeugtheit der Ensslin glaubwürdig und mit Vinzenz Kiefer tritt ein Gesicht von internationalem Format auf. Dennoch wirkt der Film insgesamt unausgegoren – zu sehen u.a. am Beispiel Bleibtreu, der das nachgewiesene Baader-Lispeln absichtlich weggelassen hat, um der eigenen Selbstdarstellung nicht im Weg zu stehen. Der Baader Meinhof Komplex repräsentiert damit den gegenwärtigen Zustand des deutschen Films. Er zeigt erste positive Ansätze, wirkt aber – verglichen mit internationalem Kino – weiterhin viel zu unreif. Weitere Informationen sind auf der offiziellen Filmseite zu finden.