Das Internetmagazin
Mittwoch, 07. Januar 2009

Shoot ‘Em Up

von Markus, am 23. September 2007 um 12:32 Uhr

shootemup.jpgEines nachts rettet der karottenliebende Mr. Smith (Clive Owen) eine hochschwangere Frau (Ramona Pringle) vor der Killerbrigade des Mr. Hertz (Paul Giamatti) - und hilft ihr mitten im Feuergefecht bei der Geburt. Doch trotz seines heldenhaften Einsatzes stirbt die Mutter und Smith muss sich alleine um den Säugling kümmern. Mit Hilfe der Prostituierten Donna Quintano (Monica Bellucci) versucht er, das Baby vor einem unnachgiebigen Hertz, der ständig und überall mit neuen Killerarmeen aufwartet, zu retten. Gleichzeitig will er die Hintergründe dieser Geschichte erforschen, in die auch Senator Rutledge (Daniel Pilon) und Waffenproduzent Hammerson (Stephen McHattie) verwickelt zu sein scheinen.

Der Film beschäftigt sich auf der einen Seite mit der Frage, ob eine Verschärfung der US-amerikanischen Waffengesetze eher den angreifenden Kriminellen oder den sich verteidigenden Gerechten schaden würde. Weil in den USA immer die Guten gewinnen, da sie gezielt und damit viel besser an eben diesen Waffen ausgebildet werden, hat der Film eine klare Meinung dazu. Auf der anderen Seite thematisiert er die medizinische Verwertung nachzüchtbarer Biobestandteile, aktuell z.B. im Rahmen einer Produktion von Stammzellen diskutiert. Hier denkt der Film aber einen Schritt weiter und beschreibt die mögliche Verwertung benötigten Knochenmarks durch gezielte Nachwuchsproduktion. Weil damit aber ausschließlich egoistische Tendenzen befriedigt würden, sieht der Film das als moralisch verwerflich an.

Shoot ‘Em Up ist bleihaltiges Actionkino, in dem Menschen und Munition nahezu pausenlos durch die Gegend fliegen. Trotz fehlender Handlung und übertriebener Action wird der Film vom Thema Mohrrübe umklammert. Diese taucht sowohl als Nahrungsmittel als auch als Nahkampfwaffe auf, was dem ansonsten eintönigen Film zumindest eine kontinuierliche Struktur verleiht. Dennoch übertreibt er die Zahl seiner Opfer, was den Zuschauer zwangsläufig an Tarantinos Kill Bill und den Kampf gegen die “Crazy 88″ erinnert. Obwohl man Owen einen überlegenen Actionhelden abnimmt, wirkt Giamatti als Bösewicht völlig unglaubwürdig. Stephen McHattie hingegen verkörpert den skurillen Waffennarren gut, aber leider zu kurz. Weitere Informationen liefert die offizielle Homepage zum Film.

88 Minutes

von Markus, am 16. September 2007 um 13:37 Uhr

88minutes.jpgVor neun Jahren konnte der forensische Psychiater Jack Gramm (Al Pacino) den Serienkiller Jon Forster (Neal McDonough) mit einem gerichtsmedizinischen Profil überführen - jetzt steht dessen Hinrichtung unmittelbar bevor. Da beginnt plötzlich eine neue Mordserie, dieses Mal unter Jacks Freunden und Bekannten. Weil sie den Taten des “Seattle Slayers” bis ins Detail gleichen, kommen Zweifel an Forsters Schuld auf. Gleichzeitig bedroht ein anonymer Anrufer Jack und informiert ihn, dass er nur noch 88 Minuten zu leben hat. Unterstützt von Assistentin Shelly (Amy Brenneman) und in Begleitung seiner Studentin Kim (Alicia Witt) macht sich der Forensiker auf, den Täter zu finden und zu überleben.

Der Film behandelt insbesondere die Themen Vertrauen und Manipulation. Wem kann Jack noch trauen, wer meint es ehrlich und wer versucht zu manipulieren? Weil der Täter Informationen kennt, die eigentlich nur Jacks engste Vertraute haben können, werden diese schnell zu Verdächtigen. Hier spricht der Film eine generelle Angst an - nämlich dass jene, denen man jahrelang vertraut hat, dieses Vertrauen im nächsten Moment untergraben können. Andererseits thematisiert der Film eine mögliche Manipulation. Denn obwohl man individuelle Motive noch leicht durchschauen kann, ist eine Täuschung schwerer zu erkennen, wenn dafür das gesamte Umfeld eines Opfers zusammenarbeitet. Noch schwieriger wird es, wenn das Umfeld selbst nur Opfer einer Beeinflussung ist. Damit mahnt der Film, dass ab einem gewissen Grad eine Manipulation nicht mehr als solche erkennbar ist, sondern in die persönliche Realität eines Einzelnen übergehen kann.

88 Minutes ist schnelles Rätselkino, das dank seiner Handlung fast ohne Effekte auskommt. Im Vordergrund steht ein Al Pacino, der seine ausgesprochen abwesend wirkende Rolle zwar souverän meistert, aber mit Bart und Zauselfrisur zwangsläufig an Robert Downey Jr. aus Finchers Zodiac erinnert. Im Gegensatz dazu lebt 88 Minutes aber von seiner in nahezu Echtzeit gespielten Handlung, die ihre Spannung insbesondere aus der Unvorhersehbarkeit der nächsten Momente bezieht. Trotzdem ist der Film an manchen Stellen unlogisch, wenn z.B. der Täter auf einem gerade gewechselten Mobiltelefon anruft oder die Opfer kaum Widerstand leisten. Bisher existiert noch keine offizielle Homepage zum Film.

The Last Winter

von Markus, am 14. September 2007 um 15:40 Uhr

thelastwinter.jpgIm Auftrag einer Ölfirma soll das Team um Ed Pollack (Ron Perlman) den bisher unberührten Norden Alaskas weiter erschließen. Doch das frostigen Klima wirkt sich auf die Gemüter aus und so sind Reibereien unvermeidlich. Naturforscher James Hoffman (James LeGros) hat sich z.B. Eds ehemalige Freundin Abby Sellers (Connie Britton) geschnappt, Eds Neffe Maxwell McKinder (Zach Gilford) scheint etwas durcheinander zu sein und auch der Rest der Crew macht, was ihm gefällt. Doch plötzlich stirbt der in seinem Wesen veränderte Maxwell unter mysteriösen Umständen. Seine aufgezeichneten letzten Worte lösen bei den anderen unheimliche Ängste aus - denn sie merken, dass auch sie sich langsam aber unaufhörlich verändern.

Der Film beschreibt mögliche Auswirkungen globaler Erwärmung am Beispiel der schmelzenden Permafrostböden. Hier geht er aber bewusst über die Gefahr der Methanhydrate hinaus und spekuliert über andere Gase bzw. Organismen, die ebenfalls eingeschlossen im ewigen Eis durch eine Erhöhung der Temperatur freigesetzt werden könnten - mit bisher ungeahnten Folgen. Der Film thematisiert weiterhin die Rolle des Einzelnen innerhalb dieses Geschehens und seine individuelle Machtlosigkeit. So behält Hoffman am Ende Recht, wenn er sagt, dass der Mensch in Wirklichkeit nicht um das Überleben der Natur, sondern ausschließlich um sein eigenes Überleben kämpfen muss.

The Last Winter ist eisiges Gruselkino mit offenem Ende, das den Zuschauer in ein Wechselspiel aus realen Ereignissen und Halluzinationen entführt. Trotz offensichtlicher Klimathematik steht jedoch der Gruseleffekt im Vordergrund der Handlung. Die zahlreichen offenen und unbeantwortbaren Fragen erinnern - genau wie der Einsatz einer Handkamera - an das Blair Witch Project. Und genau wie dort ist auch bei The Last Winter die darstellerische Leistung eher vernachlässigbar. Weitere Informationen bietet die offizielle Seite zum Film.

Urban Priol - Tür zu!

von Markus, am 13. September 2007 um 14:53 Uhr

priol.jpgMit Urban Priol, der insbesondere durch die bereits eingestellte 3sat-Sendung “Alles muss raus” und die noch laufende ZDF-Show “Neues aus der Anstalt” bekannt wurde, gastierte gestern Abend ein weiteres Highlight des politischen Kabaretts in Oldenburg. Das Aschaffenburger Ausnahmetalent, das neben Pispers, Schmickler und Richling zu den derzeitigen Top-Kabarettisten des Landes zählt, stellte in der Weser-Ems-Halle sein aktuelles Programm Tür zu! vor. In gewohnt bissiger Form kommentierte Priol die Leistung der “Worthülsenfrucht aus der Uckermark”, zitierte das gynäkologische Dissertationsthema des “niedersächsischen Wurfwunders” und sah in Deutschland einen “Streichelzoo für Heuschrecken”.

Dabei konnte er zwar viele Teile seiner Sendungen wiederverwenden, bezog aber auch aktuelle Ereignisse wie die von Schäuble vor Kurzem “mit glühenden Kufen” vereitelten Terroranschläge mit ein. Trotz zahlreicher narrativer Exkurse fand er am Ende doch immer wieder zum eigentlichen Thema zurück. Negativer Kontrast zum ansonsten ausgezeichneten Programm waren allerdings einige gestellte und unglaubwürdige Telefonate, auch wenn die dahinter stehenden Geschichten einfach erzählt ebenso reizvoll gewesen wären. Alles in allem also ein gelungener Abend, bei dem sich der Künstler nicht nehmen ließ, eine Zugabe zu geben - denn “wir sollen ja jetzt alle länger arbeiten.” Weitere Informationen über Urban Priol und sein aktuelles Programm liefert sein Internetauftritt bei den Kulturagenten.

Radioaktivität

von Markus, am 11. September 2007 um 13:10 Uhr

odlinfo.jpgDas Bundesamt für Strahlenschutz betreibt ein Radioaktivitätsmessnetz mit ca. 2.000 Messstellen, welche die tägliche Gamma-Ortsdosisleistung für den Bereich der Bundesrepublik bestimmen. So meldete z.B. die Messstelle 34030001, die für den Raum Oldenburg zuständig ist, am 10.09.2007 einen Tagesmittelwert von 0,065 µSv/h an regionaler Strahlenbelastung. Wie auf der Abbildung links angedeutet, stellt das Bundesamt das jeweilige Tagesmessergebnis auf einer Übersichtskarte zusammen. Dort kann man darüber hinaus die einzelnen Messstationen auswählen und erhält damit einen Überblick über lokale Messergebnisse der letzten drei Monate.

28 Weeks Later

von Markus, am 2. September 2007 um 14:49 Uhr

28weekslater.jpgWeil das “Rage Virus” Menschen in blutrünstige Ungeheuer verwandelt, haben sich Donald Harris (Robert Carlyle) und seine Frau Alice (Catherine McCormack) in einer Hütte verschanzt. Doch die tobenden Massen überrennen diese Hütte und nur Donald kann entkommen. 28 Wochen später ist das Virus verflogen und ein erster Bereich Londons zur Neubesiedlung freigegeben. Mit den Siedlern kommen auch Donalds Kinder Andy (Mackintosh Muggleton) und Tammy (Imogen Poots) zurück. Auf der Suche nach persönlichen Dingen überwinden die Beiden die Sicherheitszone und finden die noch lebende Alice. Medizinerin Scarlett (Rose Byrne) sieht darin eine Möglichkeit zur Entwicklung eines Impfstoffs. Doch dann bricht das Virus erneut aus.

Der Film thematisiert die moralische Fragwürdigkeit von egoistischen und altruistischen Positionen und daraus resultierende, teilweise fatale Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Er kritisiert einerseits die Gnadenlosigkeit eines persönlichen Egoismus - deutet andererseits aber auch an, dass ein Einzelner niemals genug Informationen besitzen oder überblicken kann, um altruistische Entscheidungen zu treffen. Obwohl Gründe für Egoismus im nackten Überleben (Donald) oder im Erlangen persönlicher Vorteile (Andy, Tammy) zu suchen sind - wobei der Egoist durchaus andere Menschen gefährdet - zeigt der Film auch die andere Seite, nämlich dass solche Folgen sogar aus altruistischen Überlegungen wie einem finalen Erlösungsschuss (Seargent Doyle) oder der Rettung der Kinder (Scarlett) entstehen können. So sind die Gesunden am Ende selbst in ihrer altruistischen Einstellung egoistisch, während die Infizierten bei ihrer egoistischen Jagd nach den Gesunden eine fast unmögliche Solidarität entwickeln.

28 Weeks Later ist action- und blutreiches Schockerkino, das viele intelligente Fragen aufwirft, darauf aber nur oberflächlich eingeht. Obwohl die Handlung vorherzusehen und das Ende absehbar ist (Code Red), wurde der Film solide erarbeitet und bleibt dadurch spannend. Der Einsatz von Handkameras erinnert unweigerlich an das Blair Witch Project, die unerwartete Wendung am Ende an Polanskis Tanz der Vampire. Dennoch fehlt dem Film eine konsequente Logik. So jagen die Infizierten z.B. ausschließlich gesunde Menschen, können diese probemlos von anderen unterscheiden und scheinen über fast unerschöpfliche Blutreserven zu verfügen. Leider beschränkt sich die Leistung der Darsteller auf hektisches Rennen und hysterisches Schreien. Weitere Informationen sind auf der offiziellen Homepage des Films zu finden. Eine Fortsetzung mit dem Titel 28 Months Later ist bereits in Vorbereitung und soll die Trilogie abschließen.