von Markus, am 6. Dezember 2008 um 18:37 Uhr
Gestern Abend traten der Liedermacher Rainald Grebe und seine Kapelle der Versöhnung, d.h. der “spießige” Martin Brauer und der “rockige” Marcus Baumgart, in der Oldenburger Cäcilienschule auf. Grebe, der Meister des irren Blicks, bot ein mit Showeinlagen angereichertes Konzert, das er um die Themen “Berlin” und “Provinzialität” kreisen ließ. Mit intelligenten Texten kritisierte er insbesondere den neu entstandenen Typus des “Bionade-Biedermeiers”. Zwischenspiele wie das Bereitstellen eines Rauchertisches, der gewisse Gesetzeslücken auf der Bühne ausnutzen sollte und von der Oldenburger Raucherschaft gerne angenommen wurde, ließen das Publikum zwischen den Musikstücken durchatmen.
Obwohl die schludrigen Klamotten, die banalen Masken und das eintönige Bühnenbild etwas anderes suggerieren sollten, konnte man insbesondere an Kleinigkeiten wie der optimal abgestimmten und hervorragenden Pausenmusik die Professionalität der Künstler erkennen. Leider wurden bekannte Hits wie Brandenburg oder Dörte ausgespart, dennoch bekam das Publikum einen guten Eindruck vom dahinter stehenden, überwältigenden Talent und Ideenreichtum. Höhepunkt des Abends war das Lied Reich mir mal den Rettich rüber, mit dem noch einmal die Kritik am Bionade-Biedermeier verstärkt werden sollte.
Rainald Grebe entwickelt sich mehr und mehr zum Meister der unerwarteten Reime, die seine Musikstücke überraschend vielseitig gestalten. Damit gehört er sowohl inhaltlich als auch künstlerisch zu den größten Talenten unter den deutschen Liedermachern. Teile des Publikums bedankten sich (zu Recht) mit stehenden Ovationen, die Künstler antworteten mit ein paar Zugaben. Damit war der gestrige Abend das kulturelle, intellektuelle und musikalische Highlight Oldenburgs für das Jahr 2008. Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Seite des Künstlers.
von Markus, am 15. März 2008 um 14:38 Uhr
Die derzeit angesagteste, bekannteste und auch erfolgreichste Opernsängerin ist Cecilia Bartoli. Die italienische Mezzosopranistin besitzt sowohl ein nahezu unerschöpfliches Klangspektrum als auch die Fähigkeit, eine Vielzahl unterschiedlicher Töne in einer unglaublichen Geschwindigkeit hintereinander weg zu singen. Doch neben ihrem technischen Geschick erscheint die Diva vor allem durch ihre musikalische Emotionalität und die große Freude, die sie beim Singen vermittelt, sympathisch.
Eines der wenigen Konzerte in Deutschland gab Frau Bartoli am letzten Donnerstag im (natürlich) komplett ausverkauften Bremer Konzerthaus Die Glocke. Dort präsentierte sie - unterstützt vom durchweg ausgezeichneten Kammerorchester Basel - ihr aktuelles Programm “La rivoluzione romantica” als Hommage an die frühe Opernsängerin Maria Malibran. Nach einem etwas schwächeren und eher klirrig klingenden Start konnte die Diva ihre Stimme bis zur ersten Pause zur gewohnten Größe steigern. Insbesondere in der zweiten Halbzeit zeigte sie ihr ganzes Können, indem sie in klanglichen und rhythmischen Wettstreit mit diversen Orchesterinstrumenten trat und diesen - sogar gegen eine Trommel - locker gewann. Selbstverständlich brauchte die Dame kein Mikrofon und keinen Verstärker, um den gesamten Konzertsaal auszufüllen oder das Orchester zu übertönen. Das Publikum würdigte schließlich ihren großartigen Auftritt mit stehenden Ovationen, für die sich die Diva mit einigen Zugaben bedankte.
Cecilia Bartoli ist die Antwort der Menschheit auf den Kanarienvogel - mit ihrer Hilfe zeigen wir den Piepmätzen, dass wir mindestens genauso gut trällern können. Beispiele für Stimme und Auftreten der sympathischen Sängerin finden sich in den Videos zu Agitata da due venti von Antonio Vivaldi oder Exsultate, jubilate “Alleluja” von Wolfgang Amadeus Mozart. Weitere Informationen zu Werk und Engagement der Diva bietet ihre offizielle Homepage.
von Markus, am 25. Februar 2008 um 18:37 Uhr
Trotz anfänglicher Bedenken, dass die Veranstaltung dem Streik der Drehbuchautoren zum Opfer fallen könnte, trafen sich die Größen Hollywoods in der vergangenen Nacht zur jährlichen Oscarverleihung. Gewinner des Abends war der Film No Country For Old Men, der Auszeichnungen sowohl für Regie, Nebendarsteller, adaptiertes Drehbuch und als Gesamtwerk erhielt. Beste Hauptdarsteller waren Daniel Day-Lewis für There Will Be Blood und Marion Cotillard für La vie en rose. Als beste Nebendarsteller wurden Javier Bardem und Tilda Swinton ausgezeichnet. Den Ehrenoscar für sein Lebenswerk bekam Art Director Robert F. Boyle, der u.a. an Klassikern wie Der unsichtbare Dritte und Anatevka mitgearbeitet hat. Weitere Informationen zum Oscar gibt es auf seiner offiziellen Homepage.
Auf dem roten Teppich findet kurz vor der Oscarverleihung traditionell das große Schaulaufen zur Präsentation der Abendmode statt. Für 2008 haben ganz klar die Damen Zellweger, Cruz und Garner gewonnen. Die größten modischen Fehltritte hingegen hingen an den Damen Cody, Swinton und Adams - wobei der Zuschauer bei dem Kleid von Tilda Swinton unweigerlich den Eindruck bekam, dass auch ein teurer Sack am Ende doch nur ein Sack bleibt.
Am Abend vor der Oscarverleihung findet - wie üblich - die Vergabe der Golden Raspberry statt, mit der die schlechtesten Filme und Darsteller des vergangenen Jahres ausgezeichnet werden. Eddie Murphy erhielt gleich drei Preise für seine Leistung in Norbit, nämlich die Auszeichnung als schlechtester Hauptdarsteller, als schlechtester Nebendarsteller und als schlechteste Nebendarstellerin. Den Preis für die schlechteste Hauptdarstellerin musste Lindsay Lohan entgegennehmen. Ihr Film I Know Who Killed Me hat mit dem unglaublichen Gewinn von 8 Trophäen sogar neue Maßstäbe für miserable Kinofilme gesetzt.
von Markus, am 29. Januar 2008 um 20:31 Uhr
Mit Wilfried Schmickler war wieder einmal einer der ganz großen politischen Kabarettisten in Oldenburg und präsentierte - im Rahmen der 13. Oldenburger Kabarett-Tage - sein aktuelles Programm “Zum Dritten!”. Bekannt wurde Schmickler insbesondere durch die Mitternachtsspitzen im WDR, in denen er bislang als Thommi bzw. Ulli aus Deppendorf, als Loki Schmidt, als ein Teil des Duos “Spitz&Spitz”, aber auch mit mahnendem Schlusswort auftrat. Dort konnte man ihn auch in einer grandiosen Darbietung als Saddam Hussein bewundern, aus der das bekannte “Allahmalachen” als seine ganz eigene Übersetzung für Satire stammt - weshalb er den Prix Pantheon und den deutschen Kabarettpreis durchaus verdient hat.
Schmickler, der immer Montags im WDR2-Radio seine aktuelle Montagsfrage stellt, überzeugte auf der Bühne durch wohlformulierte Wortfiguren und überkomplizierte Satzkonstrukte. Regelmäßige Verfolger der Mitternachtsspitzen konnten einen Großteil des Programms allerdings auch im Soloprogramm wiederfinden. Hier ließ es sich Schmickler übrigens nicht nehmen, am falschen “Edda-Gebbine” festzuhalten, obwohl schon seit Kalkofes Mattscheibe der Name “Oda-Gebbine Holze-Stäblein” aus Hannover Kult-Status erreicht hat. Schmicklers Wortfiguren waren toll - das Verhältnis von Wort- zu Gedankenfiguren allerdings zu unausgewogen. Seine Sprechgesang-Einlagen, die zwar viel Wortwitz besaßen, waren aber aus musikalischer Sicht weniger überzeugend. Wer Schmickler bisher nicht kannte, konnte ein großes Programm erleben - wer ihn kennt, weiß auch, dass er zu viel mehr in der Lage ist - und wer Neues erwartet hat, wurde durch zu viele Recycling-Elemente enttäuscht. Weitere Informationen zu Programm und Künstler bietet seine offizielle Homepage.
von Markus, am 8. Dezember 2007 um 13:09 Uhr
Ein Shootingstar des politischen Kabaretts ist Hagen Rether, der mit seinem Programm “Liebe” am Mittwoch Abend in der Aula des Neuen Gymnasiums in Oldenburg aufgetreten ist. Ausgestattet mit seiner typischen Armbinde, dem Baseballschläger, einigen Bananen und einem Flügel zur musikalischen Untermalung sprach der sympathische Essener neben traditionellen Kabarett-Themen (”Benefiz der 16.”) auch ernste Probleme wie die multikulturelle Integration oder die Gleichstellung von Frauen an. So wies er zurecht darauf hin, dass es auch bei uns religiösen Fundamentalismus (”versuchen Sie mal, in einer Großstadt eine Moschee zu bauen”) und Ehrenmorde (”die heißen dann nur Familiendrama”) gibt. Highlight und Abschluss des vierstündigen Abends war das Lied “Women“, das in Anlehnung an Grönemeyers “Männer” entstanden ist und die dort zahlreich aufgeworfenen, hohlen Fragen durch Antworten zu ersetzen versucht.
Gerade weil er auch unbequeme Themen wie Mobbing in sozialen Brennpunkten anspricht, wirkt er in humorvoller Hinsicht glaubwürdig. Denn Hagen Rether bedeutet neben politischem Kabarett auch gesellschaftliches Engagement, das sich z.B. in der Gründung eines Vereins zur integrativen Kulturarbeit ausdrückt. Damit - und weil er sympathisch spitzfindig sein kann, wenn er es will - hat er noch ungeahntes Entwicklungspotential. Wenn er schafft, künftig bei gleichbleibender Spitzfindigkeit seine Inhalte weiter zu verdichten und damit die Schlagzahl an pointierten Erkenntnissen erhöht, wird auch er in den Kabarett-Olymp einziehen. Sein Programm trägt übrigens - unabhängig vom Inhalt - immer den Titel “Liebe”. Damit Käufer seiner CDs aber nicht durcheinander geraten, sind diese zusätzlich durchnummeriert. Weitere Informationen über den Künstler, sein Programm, den Verein und anstehende Termine liefert seine offizielle Homepage.