Der Baader Meinhof Komplex

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Der Baader Meinhof Komplex

Es ist die Zeit von Vietnamkrieg und aufkeimender Profitgier, in der weder Demonstrationen noch die außerparlamentarische Opposition Wirkung zeigen. Aufgrund der Befürchtung, erneut dem Faschismus zu verfallen, sehen Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) einzig in "Gewalt gegen Sachen" eine wirkungsvolle Möglichkeit für politischen Protest - und legen Brandbomben in deutsche Kaufhäuser. Die Journalistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) fragt nach den Hintergründen der Taten, lässt sich von dieser Idee überzeugen und schließt sich der Gruppe an. Gemeinsam gründen sie die Rote Armee Fraktion und nehmen - entgegen der ursprünglichen Hauptlinie - auch Unbeteiligte als Opfer in Kauf.

Der Film will keine historisch genaue Dokumentation sein, stellt aber dennoch die Frage nach einem gerechtfertigten Mitteleinsatz. Was passiert, wenn sich ein neuer Faschismus andeutet, den man mit traditionellen Mitteln nicht aufhalten kann? Ist dann jedes Mittel recht, um die Bevölkerung aufzurütteln? Und wo ist die Grenze zu ziehen - bei der Zerstörung von Gegenständen oder gar Schicksalen? Oder bereits beim Ausschalten der Vernunft, die sich durch das Aufgeben der eigenen Kinder und lieb gewonnener Gewohnheiten andeutet? Ist es nicht töricht und aussichtslos, kapitale Verbrechen zu begehen, um damit zu versuchen, eine Institution wie den Staat zu erpressen? Hier antwortet der Film mit der Einsicht, dass Terrorismus am Ende keines seiner Ziele erreicht. Darüber hinaus spricht er Mythos und Legendenbildung im Zusammenhang mit der RAF an, welche die Verselbstständigung von Ideen und Ereignissen über verschiedene, voneinander unabhängige Generationen hinweg erst erlaubt haben. Kritisch deutet der Film an, dass der Staat z.B. durch bessere Aufklärungsarbeit stärker dazu hätte beitragen können, einen derart aufkommenden Terrorismus zu vermeiden.

Der Baader Meinhof Komplex ist überraschend inhaltsloses Vorlagenkino, das sich am gleichnamigen Buch von Stefan Aust orientiert, aber weder Handlung noch Unterhaltung bietet. Obwohl der Ablauf im Wesentlichen an historische Begebenheiten angelehnt ist, fehlen deren künstlerische Aufarbeitung sowie eine Nebenhandlung, um die Tragweite der damit verbundenen Tragödie aufzuzeigen. Johanna Wokalek spielt die überdrehte Überzeugtheit der Ensslin glaubwürdig und mit Vinzenz Kiefer tritt ein Gesicht von internationalem Format auf. Dennoch wirkt der Film insgesamt unausgegoren - zu sehen u.a. am Beispiel Bleibtreu, der das nachgewiesene Baader-Lispeln absichtlich weggelassen hat, um der eigenen Selbstdarstellung nicht im Weg zu stehen. Der Baader Meinhof Komplex repräsentiert damit den gegenwärtigen Zustand des deutschen Films. Er zeigt erste positive Ansätze, wirkt aber - verglichen mit internationalem Kino - weiterhin viel zu unreif. Weitere Informationen sind auf der offiziellen Filmseite zu finden.

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