Rainald Grebe & die Kapelle der Versöhnung
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Gestern Abend traten der Liedermacher Rainald Grebe und seine Kapelle der Versöhnung, d.h. der "spießige" Martin Brauer und der "rockige" Marcus Baumgart, in der Oldenburger Cäcilienschule auf. Grebe, der Meister des irren Blicks, bot ein mit Showeinlagen angereichertes Konzert, das er um die Themen “Berlin” und "Provinzialität" kreisen ließ. Mit intelligenten Texten kritisierte er insbesondere den neu entstandenen Typus des "Bionade-Biedermeiers". Zwischenspiele wie das Bereitstellen eines Rauchertisches, der gewisse Gesetzeslücken auf der Bühne ausnutzen sollte und von der Oldenburger Raucherschaft gerne angenommen wurde, ließen das Publikum zwischen den Musikstücken durchatmen.
Obwohl die schludrigen Klamotten, die banalen Masken und das eintönige Bühnenbild etwas anderes suggerieren sollten, konnte man insbesondere an Kleinigkeiten wie der optimal abgestimmten und hervorragenden Pausenmusik die Professionalität der Künstler erkennen. Leider wurden bekannte Hits wie Brandenburg oder Dörte ausgespart, dennoch bekam das Publikum einen guten Eindruck vom dahinter stehenden, überwältigenden Talent und Ideenreichtum. Höhepunkt des Abends war das Lied Reich mir mal den Rettich rüber, mit dem noch einmal die Kritik am Bionade-Biedermeier verstärkt werden sollte.
Rainald Grebe entwickelt sich mehr und mehr zum Meister der unerwarteten Reime, die seine Musikstücke überraschend vielseitig gestalten. Damit gehört er sowohl inhaltlich als auch künstlerisch zu den größten Talenten unter den deutschen Liedermachern. Teile des Publikums bedankten sich (zu Recht) mit stehenden Ovationen, die Künstler antworteten mit ein paar Zugaben. Damit war der gestrige Abend das kulturelle, intellektuelle und musikalische Highlight Oldenburgs für das Jahr 2008. Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Seite des Künstlers.

